10.07.2009 - Das Ende der Zufriedenheit

Stellungnahme eines Audiophilen zu den Naturschallwandlern

Erstellt am: 10.07.09

3. Juli 2009

Ich hab sie alle gehört. Habe viele Lautsprecher gehört, 3-Wege-Systeme, 2-Wege-Systeme, habe mich mit der Elektronik verschiedener Hersteller und ihren Klangphilosophien beschäftigt, mich dabei manchmal belohnt (Lynx, Micromega, Audiolabor, Rega, Meridian, Jeff Roland) mich manchmal gequält (Sony, Marantz, Harman Kardon). Ich habe auf Transistor gesetzt, wie auf Röhren. High End kann zur Sucht werden. Nur mit dem letzten Glied der Musikübertragung - den Boxen - hatte ich meinen Frieden geschlossen. Meine Audiophysics klangen unangestrengt, hatten Schmelz, spielten auf den Punkt. Kurzum: ich fand sie musikalisch. Bei allen Experimenten und Versuchen waren sie stets mein fester Punkt in der Kette, meine Referenz.

Und nun das.
Ein Bekannter erzählte mir, dass ein Herr Lauckner aus Delitzsch, einer kleinen Stadt in Nordsachsen, Boxen vertreiben würde, die ich mir unbedingt mal zu Gemüte führen müsste. Gesagt-Getan. Ca. 2 Wochen später wurden wir von Herrn Lauckner aufs herzlichste empfangen. Nach einem Espresso Macchiato auf dem Balkon wurden wir in seinen „Klangraum” geführt. Nach einer Begrüßung durch das Spiel auf zwei Sonagongs in den Stimmungen Sonne und Erde waren wir entspannt und unsere Sinne geschärft. Eine klanglich ziemlich intensive Erfahrung übrigens – Ich habe wenig in meinem Leben gehört, das über eine solche klangliche Fülle verfügte und zugleich doch so fein, komplex und strukturiert klang.  Zum Thema Planetenstimmung kann man hier beim oberflächlichen „Googlen” nur einigermaßen esoterisch Angehauchtes finden, der Skeptiker in mir würde es “Gedöns” nennen. Wer sich jedoch für dieses Thema interessiert, wird hier unter Harmonices Mundi einen interessanten Einstiegspunkt finden.

Nur wenig später kamen die ersten Töne aus den seltsam anmutenden Boxen. Das Prinzip der radialen Schallverteilung durch Diffusoren ist bekannt, oft versucht worden und nicht maßgeblich weniger oft gescheitert. Doch was sich hier tat, war erstaunlich und lässt sich kaum beschreiben: Mit einem offenen Klangbild war sicher zu rechnen, doch das hier gebotene war, ganz bodenständig gesagt, der Hammer. Offen, sehr unangestrengt, ohne die geringsten Kompressionen, voll und trotz des angewandten Verfahrens impulstreu. Und das ganze in einer Fülle, die wirklich nicht mehr sehr weit von natürlicher Musik entfernt ist. Minimale Verfärbungen vielleicht, aber diese hier zu erwähnen fällt wirklich schon unter die Kategorie “erbärmlicher Versuch der Ehrenrettung für herkömmliche Systeme”.  Die Größe des Chors beim Kyrie aus Duruflés Requiem wurde wirklich fassbar  – das Stück ist aufgrund der Komplexität der Chöre zwar schön, aber eine Zumutung für Elektronik und Boxen. Ebenso die Stimme von Rebekka Bakken, deren Modulationen noch feiner und direkter herausgearbeitet wurden. So gehört einmal auf Elektrostaten von Martin Logan, fantastische Lautsprecher, die für mich nur einen kleinen persönlichen Nachteil haben: sie nerven mich sehr schnell. Heftiger Rock ist sicher keine Stärke der “Naturschallwandler”, aber das haben sie mit jeder Art von exquisiter Elektronik und Boxen gemein: Schlechte Aufnahmen bleiben schlechte Aufnahmen.

Kurz und gut: Wer durchaus bereit ist, sich von alten Vorstellungen in Bezug auf Lautsprecherkonzepte zu lösen, bereit ist, dafür etwas (etwas mehr) Geld in die Hand zu nehmen, findet hier sicher nicht das Ende der Diskussion, was den Lautsprecherbau betrifft, aber eine Lösung, die Lust darauf macht, Musik wieder neu zu erleben, wie nur wenige. Und nicht zuletzt eine Lösung, die bei einem moderaten Preis auf einem Level spielt, das bei etablierten Herstellern nur gegen geradezu obszöne Auslösesummen zu bewerkstelligen ist.
Wer neugierig geworden ist, und das Risiko eingehen will, seine eigenen liebgewonnen Box nur noch als Notlösung zu begreifen oder andererseits den bösen Blick der Kundenberaterin bei der Bank nicht scheut, dem sei ein Besuch bei Herrn Lauckner sehr empfohlen. Sie erreichen Ihn unter der E-Mail-Adresse muehlenvolker@gmx.ch
Meine Freundin meinte, man könnte meine Boxen zusammenschieben und ein Streichholz dran halten. Frechheit.

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